Vermögensplanung für Unternehmer klingt nach einem Thema für später. Genau das ist nach Erfahrung der Finanz- und Nachfolgeplanerin Christiane Schaaf das Problem: Wer sein Unternehmen erfolgreich führt, hält die eigene private Absicherung oft für nachrangig, bis ein Notfall das Gegenteil beweist.
Im Interview erklärt Schaaf, Inhaberin von GenerationenBeratung24 in Alfter bei Bonn, warum so viel Vermögen einseitig im eigenen Betrieb steckt, welche steuerlichen Fallstricke Geschäftsführer beim Trennen von privatem und unternehmerischem Vermögen übersehen und was beim Ruhestand am teuersten unterschätzt wird.
Warum private Finanzplanung bei Geschäftsführern hintenansteht
Viele Unternehmer stecken täglich in operativen Themen fest, sagt Schaaf: Liquidität, Mitarbeiter, Wachstum, Kunden, Krisen. Bei einer 50-bis-60-Stunden-Woche bleibt für die eigene Vermögensplanung schlicht kein Kopf.
„Wenn mein Unternehmen, mein Lebenswerk, gut läuft, wird privat auch alles gut“, sagen sich viele Geschäftsführer laut Schaaf – und verschieben die private Finanzplanung auf später. Später kommt aber selten.
Die Folge ist ein privat dünnes oder unstrukturiertes Finanzpolster bei gleichzeitig hoher Abhängigkeit vom eigenen Unternehmen. Sichtbar wird das laut Schaaf typischerweise erst, wenn es zu spät ist: bei Gesundheitsproblemen, einer ungewollten plötzlichen Nachfolge oder einem schwierigen Verkauf in unsicherer Wirtschaftslage. Besonders bei einer ungeplanten Nachfolge im Todesfall können Liquiditätsprobleme den Fortbestand des Unternehmens gefährden, und bei minderjährigen Erben in der Unternehmensnachfolge drohen zusätzliche Komplikationen.
Vermögensplanung für Unternehmer beginnt beim Klumpenrisiko
Ein zentraler Grund, warum Vermögensplanung für Unternehmer anders aussehen muss als für Angestellte: Bei den meisten Geschäftsführern steckt der Großteil des Vermögens im eigenen Betrieb, oft 50 bis 95 Prozent. Das fühlt sich erfolgreich und kontrollierbar an, solange alles gut läuft.
Eine Diversifikation oder Liquiditätsreserve außerhalb des Unternehmens findet dabei oft nicht statt. Schaaf nennt das ein „Klumpenrisiko“: Viele Geschäftsführer haben gute Steuerberater und Anwälte, aber selten jemanden, der die private Gesamtbilanz, den privaten Cashflow und die langfristigen Ziele ganzheitlich und unabhängig steuert.
Steuerfallen zwischen Firma und Privatvermögen
Wo Unternehmer unternehmerisches und privates Vermögen nicht sauber trennen, drohen laut Schaaf schnell steuerliche Risiken. Ein klassisches Beispiel: Ein Unternehmer kauft ein Ferienhaus im Ausland, etwa auf Mallorca, als Eigentum der Firma.
„Wenn die Gesellschaft die Immobilie den Gesellschaftern oder deren Angehörigen unentgeltlich oder verbilligt zur privaten Nutzung überlässt, liegt per Gesetz in der Regel eine verdeckte Gewinnausschüttung vor. Ein klassisches Risikofeld“, so Schaaf.
Generationenplanung: Vermögen über die eigene Lebenszeit hinaus sichern
Wer eines Tages eine Nachfolge regeln muss, kommt an Generationenplanung nicht vorbei. Für Schaaf bedeutet das mehr als die eigene Rente: eine langfristige Finanz- und Vermögensplanung, die nicht nur die eigene Lebenszeit, sondern mehrere Generationen einer Familie berücksichtigt.
Zwei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt: Wie lässt sich Vermögen so sichern, dass es möglichst steuerschonend und konfliktarm an Kinder und Enkel übergeht? Und wie wird sichergestellt, dass es den Familienwerten und -zielen dient, statt verspielt oder zerrissen zu werden?
Nach dem Verkauf: Große Liquidität richtig strukturieren
Steht ein Geschäftsführer kurz vor dem Verkauf oder der Übergabe seines Unternehmens und plötzlich mit einer großen Summe Liquidität da, rät Schaaf zu einem klar strukturierten Prozess. Die größte Gefahr seien impulsive Entscheidungen nach dem Motto „Jetzt kann ich mir alles leisten“ – etwa eine Yacht oder eine teure Immobilie.
Zunächst müssten steuerliche und rechtliche Fragen von einem spezialisierten Steuerberater und Anwalt geprüft werden, etwa Kapitalertragssteuer, Holdingstrukturen oder Wegzugsbesteuerung. Mithilfe eines Financial- und Estateplanners lässt sich anschließend eine zielgerichtete Vermögensstruktur aufbauen, deren Ziel in der Regel Kapitalerhalt plus realer Vermögensaufbau bei kontrolliertem Risiko ist. Wichtig sei zudem ein Risikomanagement mit Vermögensschutz, etwa über Nachfolge- und Erbschaftsplanung oder Stiftungslösungen. Wer nach dem Verkauf zusätzlich in Sachwerte investieren will, findet Grundlagen dazu im Beitrag Kapitalanlage-Immobilien für Unternehmer.
Unabhängige Beratung statt Produktverkauf
Ein Beispiel aus der eigenen Praxis zeigt für Schaaf, wie viel an Kosten oft ungenutzt liegen bleibt: Einer Unternehmerin konnte sie kürzlich Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich einsparen, indem Ausgabeaufschläge und sonstige Kauf- und Nebenkosten bei Finanzprodukten wegfielen. Kosten mindern die Nettorendite direkt und wirken über den Zinseszinseffekt langfristig oft erheblich – sie summieren sich zu großen Vermögensunterschieden.
Genau hier sieht Schaaf den Unterschied zu Hausbanken oder klassischen Versicherungsvertrieben: Unabhängiges Vermögensmanagement ist primär am Kunden orientiert, nicht am Produktabsatz. Es geht um fortlaufende Betreuung und regelmäßiges Rebalancing, die Liquiditätsplanung wird an Lebensphasen und Marktveränderungen laufend angepasst. Mit einem transparenten Kostenmodell auf Honorarbasis hätten Berater und Kunde dasselbe Interesse: dass sich das Gesamtvermögen vermehrt und für Generationen gesichert wird.
Wie die Zusammenarbeit mit Christiane Schaaf aussieht
Schaaf beschreibt ihren Ansatz als umfassende Entlastung bei finanziellen, vermögensbezogenen und nachfolgebezogenen Themen. Fundament der Zusammenarbeit ist eine Vermögensstrukturanalyse, die dem Kunden einen Gesamtüberblick über seine komplexe finanzielle Situation verschafft. Aus dieser Analyse entstehen Strukturen, die Transparenz und Ordnung in das vorhandene „Finanzmosaik“ bringen. Ihren eigenen Ansatz beschreibt Schaaf als unabhängig, langfristig und ethisch orientiert.
Der teuerste Denkfehler beim Ruhestand
Den größten Denkfehler erfolgreicher Unternehmer in Bezug auf den eigenen Ruhestand bringt Schaaf auf eine kurze Formel: „Ich bin erfolgreicher Unternehmer, ich schaffe das irgendwie schon – meine Firma ist meine Altersvorsorge, und meine Kinder übernehmen den Betrieb sowieso.“ Die entscheidenden Fragen bleiben dabei offen: Was wäre der Verkaufserlös der Firma heute und in späterer Zeit? Wie lange ließe sich davon leben?
Die meisten unterschätzten systematisch, wie lange sie leben und wie teuer die letzten 15 bis 25 Jahre werden – Pflege, Gesundheit, Inflation. Viele hielten an der Illusion fest, im Alter ohnehin weniger zu brauchen; die Realität zeige das Gegenteil, mit steigenden Ausgaben für Wohnen, Gesundheit, Enkel und Lebensqualität. Wie lang dieser Lebensabschnitt tatsächlich dauern kann, zeigen auch die Lebenserwartungsdaten des Statistischen Bundesamts. Schaafs Rat: einen frühzeitigen Ausblick auf die Ruhestandsplanung, spätestens im Alter von 45 bis 50 Jahren, um Chaos rechtzeitig vorzubeugen.
Weitere Impulse zur Absicherung des eigenen Unternehmerlebens liefert auch der Beitrag Risiken verdrängen: Warum Unternehmer die eigene Absicherung aufschieben.
FAQ
Was versteht man unter einem Klumpenrisiko bei Unternehmern?
Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein Großteil des Vermögens, bei vielen Geschäftsführern 50 bis 95 Prozent, im eigenen Unternehmen gebunden ist und keine Diversifikation oder Liquiditätsreserve außerhalb der Firma besteht.
Was passiert steuerlich, wenn eine Firma eine Immobilie privat überlässt?
Überlässt eine Gesellschaft eine Immobilie den Gesellschaftern oder deren Angehörigen unentgeltlich oder verbilligt zur privaten Nutzung, liegt in der Regel eine verdeckte Gewinnausschüttung vor.
Ab welchem Alter sollte die Ruhestandsplanung beginnen?
Christiane Schaaf empfiehlt einen frühzeitigen Ausblick auf die Ruhestandsplanung spätestens im Alter von 45 bis 50 Jahren, um Liquiditätslücken und ungewolltes Chaos rechtzeitig zu erkennen.
Was sollte nach dem Verkauf eines Unternehmens zuerst geklärt werden?
Vor jeder Anlageentscheidung sollten die steuerlichen und rechtlichen Fragen durch einen spezialisierten Steuerberater und Anwalt geprüft werden, etwa zu Kapitalertragssteuer, Holdingstrukturen und Wegzugsbesteuerung.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung.









