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Technologiemetalle als Geldanlage: Wolfgang Tast

Technologiemetalle als Geldanlage: Was Anleger vor dem Kauf wissen müssen

Technologiemetalle als Geldanlage rücken bei Unternehmern zunehmend in den Blick. Gallium, Germanium, Indium und Seltene Erden stecken in Halbleitern, Elektromotoren und Windkraftanlagen, und die Preise sind in den vergangenen Jahren teils kräftig gestiegen. Doch anders als bei Gold gibt es für viele dieser Metalle keine Börse, keinen transparenten Marktpreis und oft keinen unabhängigen Käufer.

Wir haben darüber mit Wolfgang Tast gesprochen, Strategie- und Investmentberater aus Würzburg. Im Interview erklärt er, wie man einen Preis ohne Börse beurteilt, warum ein Zertifikat noch kein Eigentum ist und welche fünf Fragen jeder vor dem ersten investierten Euro beantworten sollte.

Technologiemetalle als Geldanlage: Warum das Thema strategisch ist

Herr Tast, warum sind Technologiemetalle und Seltene Erden überhaupt ein Thema für Anleger?

Der technologische Fortschritt braucht viele Spezialmetalle und Seltene Erden. China besitzt bei etlichen Seltenen-Erd-Metallen bisher nahezu ein Monopol und setzt sie auch in der Auseinandersetzung um die Vormachtstellung mit den USA ein. Diese Metalle sind damit nicht nur ein Rohstoff, sondern auch ein politisches Druckmittel.

Wie reagiert der Markt auf die hohen Preise?

Die Industrie spart Material ein, ersetzt es und recycelt mehr. Neue Kapazitäten außerhalb Chinas werden aufgebaut. Dazu kommt: Viele dieser Metalle sind nur Nebenprodukte. Gallium fällt bei der Aluminiumoxidproduktion an, Germanium und Indium vor allem bei der Zinkverarbeitung. Das Angebot hängt deshalb weniger vom Preis des Metalls selbst ab als von der Nachfrage nach dem Hauptmetall. Und man sollte sich klarmachen: Metalle werfen keine Zinsen, keine Dividende und keine Miete ab. Der Ertrag ist ein höherer Verkaufspreis.

Preis und Eigentum: Was Anleger prüfen müssen

Für viele Technologiemetalle gibt es keine Börse. Wie beurteilt ein Anleger, ob ein Preis fair ist?

Ehrlich gesagt: Für Privatanleger ist das schwer. Deshalb ist gute und ausführliche Beratung besonders wichtig. Kaufen Sie nur bei Unternehmen mit hoher Transparenz. Die Preise schwanken fast täglich, Preissteigerungen von zehn Prozent innerhalb einer Woche sind keine Seltenheit. Sicherheit gibt meines Erachtens nur ein Portfolio aus verschiedenen Metallen. Auf einzelne Metalle zu setzen, kann lukrativ sein, riskant ist es allemal.

Technologiemetalle werden gern als Sachwert verkauft. Was wird dabei übersehen?

Material ist vorhanden, ja. Die Frage ist nur, ob es Ihnen gehört, ob Sie das beweisen können und ob Sie es zu einem vernünftigen Preis wieder loswerden. Bei der Lagerung kommt es darauf an, ob Ihr Material einzeln tokenisiert und eindeutig zugeordnet wird oder ob Sie nur einen Anteil an einem Sammelbestand besitzen. Das entscheidet darüber, ob Sie Ihr Metall bei einer Insolvenz des Anbieters oder Lagerhalters herausverlangen können. Ein Zertifikat ist noch kein Eigentum!

Chinas Marktmacht, Kosten und Umsatzsteuer

Ist Chinas Marktmacht für Anleger eher Chance oder Risiko?

Die Exportkontrollen der vergangenen Jahre haben gezeigt: Die Preise außerhalb Chinas steigen, während sie innerhalb Chinas sinken können. Diese Entscheidungen werden politisch getroffen, oft kurzfristig. Hinzu kommt, dass Europa und die USA genau diese Abhängigkeit abbauen wollen. Gelingt das, sinkt die Knappheitsprämie.

Wo lauern die größten Kosten und Vertragsfallen?

Ich rate jedem, vor dem Kauf eine einfache Rechnung aufzumachen: Um wie viel Prozent muss der Preis steigen, damit ich nach allen Kosten bei null herauskomme? Dazu gehören die Spanne zwischen Kauf- und Rückkaufpreis, laufende Lager-, Versicherungs- und Verwaltungsgebühren, Provisionen und Agio. Eine „Rückkaufgarantie“ zum „dann gültigen Preis abzüglich …“ ist oft wenig wert. Entscheidend ist, wer den Preis festlegt und nach welcher Formel.

Wichtig ist auch die Umsatzsteuer. Anders als Anlagegold sind diese Metalle in Deutschland nicht umsatzsteuerfrei. Nach einer Verwaltungsanweisung des Bundesfinanzministeriums im April haben nahezu alle betroffenen Unternehmen ihre Lagerstätten in die Schweiz verlagert. Bei einer Lagerung in der Schweiz muss die Umsatzsteuer nicht gezahlt werden. Das ist zwar mit etwas höheren Lagerkosten verbunden, erhält aber auf diesem Weg die vormals auch in Deutschland geltende Umsatzsteuerbefreiung. Nicht betroffen ist Gold, weil dafür weiterhin die eigene Steuerbefreiung nach § 25c UStG gilt. Auch Zollfreilager in der Schweiz oder in Liechtenstein bleiben unberührt, weil die Änderung nur eine deutsche Verwaltungsanweisung ist.

Fünf Fragen vor dem ersten Euro

Welche Fragen sollte sich ein Unternehmer vor dem Einstieg beantworten?

  1. Was genau besitze ich?
  2. Wo liegt es, und kann ich mein Eigentum auch dann durchsetzen, wenn mein Anbieter insolvent ist?
  3. Wer kauft mir das Material wieder ab, zu welchem Preis, und um wie viel muss der Preis steigen, damit ich nach allen Kosten keinen Verlust mache?
  4. Gibt es außer meinem Anbieter mindestens einen unabhängigen Käufer?
  5. Welchen Betrag kann ich mindestens zwei Jahre binden, ohne dass sich an meiner finanziellen Lage oder an meinem Unternehmen etwas ändert?

Sachwert heißt nicht automatisch Sicherheit

Technologiemetalle als Geldanlage sind weniger eine Frage des richtigen Metalls als der richtigen Struktur: eindeutiges Eigentum, passende Lagerung, eine ehrliche Kostenrechnung und ein unabhängiger Käufer. Bemerkenswert ist, dass Wolfgang Tast, der selbst Anleger zu strategischen Metallen berät, die Risiken offen benennt. Hintergrundwissen zu den einzelnen Elementen bietet der Überblick zu den Metallen der Seltenen Erden. Wie sich privates Vermögen gegen Risiken aus dem Unternehmen absichern lässt, zeigt unser Interview zum Vermögensschutz für Unternehmer.

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