Wer im Herbst Transportkapazitäten braucht, sollte die Zahlen des zweiten Quartals kennen: Der Markt ist gut ausgelastet, aber nicht, weil die Nachfrage boomt – sondern weil zu wenig Frachtraum verfügbar ist. Das ist der Kern des aktuellen Marktreports der Europäischen Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (ELVIS) AG, eines Verbunds von über 250 Partnerunternehmen.
Wachstum ja, Impulse nein
Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal 2026 um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. In den transportintensiven Industrien kommt davon wenig an: Die Produktion chemischer Erzeugnisse sank im Juni um 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat, im Maschinenbau um 3,9 Prozent. „Ein leichtes Wachstum ist da, aber es kommt noch nicht in der Breite der Wirtschaft an“, sagt ELVIS-Vorstand Nikolja Grabowski. Er verweist darauf, dass zum Ende des Betrachtungszeitraums bereits die Ferienzeit begonnen hatte.
Die Auslastung täuscht
Die mautpflichtige Fahrleistung im Lkw-Güterverkehr lag im Juni 10,5 Prozent über dem Vormonat und 8,1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Gleichzeitig blieb die Kapazitätslage das gesamte Quartal über angespannt. „Wir dürfen hohe Auslastung nicht mit einem starken Markt verwechseln“, so Grabowski. Für Verlader heißt das: Der knappe Frachtraum stützt die Preise, ohne dass die Nachfrage entsprechend zieht.
Was auf die Kalkulation drückt
Zwei Kostenblöcke bestimmen derzeit die Rechnung der Speditionen:
- Personal: gegenüber dem Vorquartal unverändert, aber 3,7 Prozent über dem Vorjahresquartal – und damit oberhalb der allgemeinen Teuerungsrate.
- Diesel: im Juni 11,8 Prozent unter dem Vormonat, gleichzeitig 11,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Tagesaktuell erreichen die Preise laut ELVIS bereits wieder Höchststände.
Das eigentliche Problem ist dabei weniger das Niveau als das Tempo: Schwankt der Kraftstoffpreis kurzfristig, lässt sich vor allem im Spotmarkt kaum verlässlich kalkulieren. Einzelne Transporte können dadurch spürbar an Wirtschaftlichkeit verlieren.
Fahrermangel wird in den Ferien sichtbar
Die Stimmung in der Branche bleibt gedrückt. Die Geschäftserwartungen verschlechterten sich im Juni um 2,6 Prozent gegenüber dem Vormonat und lagen 22 Prozent unter dem Vorjahreswert, die Umsatzerwartungen gaben um 3,0 Prozent nach. Hinzu kommt ein struktureller Effekt: In der Ferienzeit geht die Nachfrage zwar saisonal zurück, gleichzeitig fehlen Fahrer durch Urlaub. „Wenn ein Teil der Stammfahrer im Urlaub ist, wird es schnell schwierig, die vorhandenen Fahrzeuge überhaupt auf die Straße zu bringen“, sagt Grabowski. Personelle Puffer haben viele Betriebe nicht mehr.
Was das für die Planung bedeutet
Für das Herbstgeschäft rät der Verbund, Personal- und Kapazitätsplanung jetzt zu prüfen, statt kurzfristig auf den Spotmarkt zu setzen. Wer regelmäßig Ladung disponiert, sollte Rahmenverträge und feste Kapazitäten früh sichern – in einem Markt, in dem das Angebot und nicht die Nachfrage den Preis bestimmt, ist Verfügbarkeit das knappere Gut.
Foto: ELVIS AG. Quelle: ELVIS Marktreport, Ausgabe August 2026, Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure AG. Alle Angaben nach Darstellung des Verbunds.









